Das IAW gratuliert Julia Sander zum sehr guten Abschluss

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Published On: 09/24/20268 min read

Julia Sander arbeitet als Hausleiterin bei Kaufland und verantwortet dort gemeinsam mit ihrem Führungsteam eine Großfläche mit über 125 Mitarbeitenden. Nach vielen Jahren in unterschiedlichen Führungspositionen im Lebensmitteleinzelhandel wechselte sie Anfang 2026 im Rahmen eines nationalen Entwicklungsprogramms der Schwarz Gruppe von Lidl zu Kaufland. Im April 2026 schloss sie parallel dazu den berufsbegleitenden M.A. Organizational Management mit dem Schwerpunkt Personalführung und Kompetenzmanagement erfolgreich ab.

Sie haben zunächst ein duales Bachelorstudium im Bereich BWL Handel absolviert und sich einige Jahre später für den M.A. Organizational Management entschieden. Wie kam es dazu, dass Sie sich für ein berufsbegleitendes Studium an der Ruhr-Universität Bochum entschieden haben?

Für mich war relativ früh klar, dass ich langfristig Verantwortung übernehmen und Menschen führen möchte. Nach meinem dualen Studium bin ich deshalb bewusst direkt in der Praxis geblieben und habe im Lebensmitteleinzelhandel bereits früh Führungsverantwortung übernommen. Mit jeder weiteren Station wurde mir jedoch deutlicher, wie viel gute Führung mit Psychologie, Organisationsstrukturen, Kompetenzentwicklung und Veränderungsfähigkeit zu tun hat.
Ich wollte irgendwann nicht mehr nur aus meiner Erfahrung heraus wissen, dass etwas in Führung funktioniert, sondern tiefer verstehen, warum es funktioniert. Genau diese Verbindung habe ich im M.A. Organizational Management gefunden. Besonders angesprochen haben mich die Möglichkeit, das Studium berufsbegleitend zu absolvieren, die individuelle Schwerpunktsetzung sowie die starke Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis.
Für mich war es deshalb keine Entscheidung zwischen Karriere und Studium, sondern ganz bewusst eine Entscheidung dafür, beides miteinander zu verbinden. Ich wollte meine praktische Führungserfahrung wissenschaftlich fundieren und gleichzeitig neue Impulse unmittelbar wieder in meinen beruflichen Alltag übertragen.

Wie konnten Sie theoretische Konzepte in Ihren beruflichen Kontext einbringen?

Das war für mich einer der größten Mehrwerte des Studiums. Viele Fragestellungen, mit denen wir uns wissenschaftlich beschäftigt haben, begegnen mir im Handel täglich: Wie gelingt gute Führung? Wie erkennen und entwickeln wir Potenziale? Wie schaffen wir Motivation und Bindung? Wie begleiten wir Veränderungen, ohne dabei die Menschen zu verlieren?
Gerade durch meinen Schwerpunkt Personalführung und Kompetenzmanagement konnte ich viele Inhalte unmittelbar mit meiner eigenen Führungsarbeit verbinden. Ich habe bestehende Vorgehensweisen bewusster hinterfragt und begonnen, Entscheidungen nicht nur aus Erfahrung oder Intuition zu treffen, sondern sie stärker aus unterschiedlichen Perspektiven zu reflektieren.
Gleichzeitig funktioniert dieser Transfer auch in die andere Richtung: Wenn man bereits Führungsverantwortung trägt, liest und diskutiert man wissenschaftliche Konzepte anders. Man hat sofort konkrete Mitarbeitende, Situationen und Herausforderungen vor Augen. Genau diese Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und gelebter Praxis hat das Studium für mich besonders wertvoll gemacht.
Auch der Austausch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus ganz unterschiedlichen Branchen hat meinen Blick erweitert. Plötzlich wird deutlich, dass viele Herausforderungen von Führung und Organisation branchenübergreifend sehr ähnlich sind – und dass man enorm voneinander lernen kann.

Beruf und Studium zu vereinbaren, ist sicherlich eine große Herausforderung. Wie haben Sie diese gemeistert?

Mit sehr viel Struktur, Disziplin und einem klaren Ziel vor Augen. Während des Studiums habe ich durchgehend in verantwortungsvollen Führungspositionen gearbeitet. Insbesondere im Handel gibt es Phasen, in denen sich Arbeitswochen nur schwer im Voraus planen lassen. Wenn gleichzeitig Prüfungsleistungen, Coachings oder wissenschaftliche Arbeiten anstehen, muss man Prioritäten sehr bewusst setzen.
Natürlich gab es Wochenenden, an denen andere Freizeit hatten und bei mir Fachliteratur oder eine wissenschaftliche Ausarbeitung auf dem Programm standen. Entscheidend war für mich jedoch, mir immer wieder bewusst zu machen, warum ich dieses Studium begonnen habe.
Ich wollte mich weiterentwickeln. Nicht nur, um den nächsten Karriereschritt zu gehen, sondern insbesondere, um eine bessere Führungskraft zu werden und Organisationen und Menschen fundierter verstehen zu können.
Rückblickend hat mich deshalb nicht nur der Studieninhalt weiterentwickelt. Auch die Erfahrung, einen anspruchsvollen Master parallel zu einer intensiven beruflichen Tätigkeit erfolgreich abzuschließen, hat mir noch einmal gezeigt, was mit Konsequenz, guter Organisation und echtem Interesse an einem Ziel möglich ist.

Thema Ihrer Masterarbeit war „Talentmanagement in der Ausbildung – Identifizierung und Bindung von Potenzialtragenden bei Lidl“. Was genau interessiert Sie daran?

Ausbildung und Nachwuchsentwicklung begleiten mich bereits seit vielen Jahren und liegen mir besonders am Herzen. Im Handel haben wir die besondere Chance, jungen Menschen sehr früh Verantwortung zu übertragen und sie auf ihrem Weg teilweise über viele Jahre zu begleiten. Dabei erlebt man immer wieder Menschen, in denen enormes Potenzial steckt.
Mich hat deshalb die Frage beschäftigt, wie Unternehmen diese Potenziale möglichst früh erkennen können und was anschließend notwendig ist, damit aus Potenzial tatsächlich Entwicklung wird.
Talentmanagement darf aus meiner Sicht nicht erst dann beginnen, wenn jemand bereits mehrere Karriereschritte absolviert hat. Es beginnt viel früher. Gerade die Ausbildung bietet die Möglichkeit, Talente systematisch zu erkennen, individuell zu fördern, Perspektiven aufzuzeigen und eine langfristige Bindung an das Unternehmen aufzubauen.
Dabei finde ich insbesondere die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Systematik und persönlicher Führung spannend. Potenziale lassen sich nicht allein über Kennzahlen oder standardisierte Prozesse entwickeln. Am Ende braucht es Führungskräfte, die Menschen sehen, ihnen etwas zutrauen, ehrliches Feedback geben und ihnen Chancen eröffnen.

Warum ist dieses Thema im Lebensmitteleinzelhandel so aktuell und welchen Nutzen können Unternehmen aus den Erkenntnissen ziehen?

Der Lebensmitteleinzelhandel ist ein sehr personalintensives Geschäft. Hinter funktionierenden Prozessen, guten Kennzahlen und zufriedenen Kundinnen und Kunden stehen immer Menschen. Gleichzeitig konkurrieren Unternehmen zunehmend um engagierte Nachwuchs- und Führungskräfte.
Deshalb reicht es langfristig nicht aus, Nachwuchs ausschließlich extern zu rekrutieren. Unternehmen müssen die Potenziale, die bereits in der eigenen Organisation vorhanden sind, erkennen, fördern und langfristig begeistern.
Genau hier setzt das Thema meiner Masterarbeit an. Wenn es gelingt, talentierte Auszubildende frühzeitig zu identifizieren, ihnen individuelle Entwicklungswege aufzuzeigen und ihnen Schritt für Schritt Verantwortung zu übertragen, entsteht daraus nicht nur ein Vorteil für die einzelnen Nachwuchskräfte. Es entsteht eine nachhaltige Talentpipeline für das gesamte Unternehmen.
Für mich gehört dazu allerdings mehr als ein gutes Personalentwicklungsinstrument. Entscheidend ist eine Führungskultur, in der Entwicklung tatsächlich stattfindet. Nachwuchsförderung ist für mich deshalb keine Aufgabe, die ausschließlich in einer Personalabteilung verortet werden kann. Sie beginnt jeden Tag unmittelbar bei den Führungskräften.

Welche Tipps geben Sie Menschen, die überlegen, diesen Studiengang zu absolvieren?

Man sollte sich zunächst ehrlich fragen, warum man den Master machen möchte. Ein berufsbegleitendes Studium verlangt Zeit, Energie und Disziplin. Wenn man sich jedoch wirklich für die Themen interessiert und bereit ist, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, bekommt man sehr viel zurück.
Mein wichtigster Tipp wäre: Nicht versuchen, Studium und Beruf gedanklich voneinander zu trennen. Gerade der M.A. Organizational Management lebt davon, beides miteinander zu verbinden. Nehmen Sie berufliche Fragestellungen mit ins Studium und wissenschaftliche Impulse wieder mit zurück in Ihr Unternehmen.
Außerdem würde ich den Austausch innerhalb der Studiengruppe sehr bewusst nutzen. Unterschiedliche berufliche Hintergründe sind kein Hindernis, sondern eine der größten Stärken dieses Studiengangs. Man bekommt Perspektiven auf Führung und Organisation, die man im eigenen Unternehmensumfeld möglicherweise nie kennengelernt hätte.
Und zuletzt: Nicht auf den vermeintlich perfekten Zeitpunkt warten. Bei einem anspruchsvollen Beruf wird es diesen wahrscheinlich nie geben. Wenn das Ziel wichtig genug ist, findet man einen Weg.

Wenn Sie nun auf Ihre Studienzeit zurückblicken, welches Highlight bleibt Ihnen ganz besonders in Erinnerung?

Für mich lässt sich das gar nicht auf einen einzigen Moment reduzieren. Besonders wertvoll war die Kombination aus fachlichem Input, Praxisbezug und dem Austausch mit Menschen, die aus vollkommen unterschiedlichen beruflichen Welten kommen.
Die Praxiswochen und Coachings haben dabei einen besonderen Stellenwert. Dort wurde aus Theorie sehr schnell etwas Greifbares. Gemeinsam Fragestellungen zu analysieren, unterschiedliche Sichtweisen zu diskutieren und anschließend konkrete Lösungsansätze zu entwickeln, hat für mich den Charakter des Studiengangs besonders gut widergespiegelt.
Mein persönlich wichtigstes Ergebnis liegt aber vielleicht noch auf einer anderen Ebene: Das Studium hat mir für vieles, was ich zuvor in Führung intuitiv erlebt habe, einen wissenschaftlichen Rahmen gegeben. Ich betrachte Organisationen, Veränderungen und insbesondere Führung heute differenzierter.
Gleichzeitig habe ich gelernt, dass es auf komplexe Führungsfragen nur selten eine einfache Standardantwort gibt. Gute Führung bedeutet auch, neugierig zu bleiben, das eigene Verhalten regelmäßig zu reflektieren und bereit zu sein, immer wieder dazuzulernen.

Jetzt haben Sie den M.A. Organizational Management in der Tasche. Wie geht es für Sie nun weiter? Welche Pläne haben Sie?

Stillstand passt grundsätzlich nicht besonders gut zu mir. Anfang 2026 habe ich mit meinem Wechsel zu Kaufland und der Teilnahme an einem nationalen Entwicklungsprogramm der Schwarz Gruppe bereits bewusst ein neues Kapitel begonnen. Aktuell kann ich als Hausleiterin meine Führungserfahrung weiter vertiefen und gleichzeitig viele Erkenntnisse aus dem Studium unmittelbar in meine tägliche Arbeit einbringen.
Mein nächstes berufliches Ziel ist es, perspektivisch noch größere Führungsverantwortung zu übernehmen. Dabei möchte ich mir eine Sache unbedingt bewahren: nah an den Menschen und nah am operativen Geschäft zu bleiben. Für mich gehören wirtschaftlicher Erfolg und gute Führung untrennbar zusammen.
Ein Thema wird mich dabei mit Sicherheit weiterhin begleiten: die Entwicklung von Menschen. Ich möchte Nachwuchskräfte fördern, Führungskräfte entwickeln und Menschen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig kann ich mir sehr gut vorstellen, meine Erfahrungen zukünftig noch stärker mit der akademischen Welt zu verbinden und Wissen an Studierende weiterzugeben.
Mein Masterabschluss ist für mich deshalb weniger ein Schlusspunkt als vielmehr ein weiterer Baustein auf meinem Weg. Denn gerade in Führung gilt für mich: Wer andere entwickeln möchte, sollte niemals aufhören, sich selbst weiterzuentwickeln.

Vielen Dank und alles Gute